HANS PLATSCHEK PREIS FÜR
KUNST UND SCHRIFT 2021

Die Verleihung des Hans Platschek Preises findet in diesem Jahr
am 8. September um 19 Uhr im Kunstverein in Hamburg statt.

Preisträgerin ist die Malerin Monika Baer

Jurorin ist Christina Végh

Juorin Christina Végh

Juorin Christina Végh

Foto © Veit Mette

Jurorin 2021 ist Christina Végh. Seit Januar 2020 ist sie Direktorin der Kunsthalle Bielefeld, nach Stationen als Direktorin der Kestnergesellschaft in Hannover und des Bonner Kunstvereins, wo sie für ihre „experimentelle Kunstvermittlung für Kinder und Jugendliche“ ausgezeichnet wurde.

In der Begründung zur Wahl Monika Baers sagt Christina Végh: „Monika Baer für den Hans Platschek Preis zu nominieren, heißt natürlich nicht, sie in einer Traditionslinie des Informell sehen zu wollen. Das wäre anachronistisch. Aber immerhin: Baer „kann“ Informell, genauso oft findet man in ihren Gemälden allerdings alle anderen Malweisen und Stilrichtungen, fotorealistische trompe l’oeil Effekte und Hyperrealismus, den expressionistischen Malgestus, Graffiti-Spuren, pathosgeladene, in Auflösung begriffene, abstrakte Bildräume, demonstrativ einfach daherkommende zeichnerische Kritzel-Partien und Karikatur, pastos, das Material Farbe dechiffrierende Farbergüsse und vieles mehr.

Schon in ihren ersten Werken, es sind die „Mozart-Bilder“, vom Salzburger Marionettentheater inspiriert, verfolgt Baer die Malerei als Bühne, die mittels illusionistischer Mittel verführt. Seither entwickelt sie ihr Werk in Reihen, in denen sie jeweils einer Anzahl von bestimmten Motiven und Bildaufbaukonfigurationen folgt. So gibt es in der Zwischenzeit die „Mauerbilder“, „Schlüssellochbilder“, „Busenbilder“, „Flaschen“- „Ketten“- oder „Wurstbilder“. Die hier aufgeführten Begriffe allein dürften schon Indiz genug sein, dass Monika Baer – und hier kann man vielleicht auch an Hans Platschek anknüpfen – kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn es um die Dekonstruktion der Meistererzählungen (nicht nur) in der Malerei geht.

Baer begreift sich als Choreografin, die ihre Schausteller – in ihrer jüngsten Werkserie sind es Baumstrünke am Straßenrand vor einer weit ausladenden Himmelspartie, immer wieder neue Szenen erproben lässt. Für die Betrachter*innen bedeutet dies, mit unterschiedlichen Versuchsanordnungen konfrontiert zu sein und in der Bildabfolge in jeweils unterschiedliche, szenisch aufgeladene Bildkonfigurationen verwickelt zu werden. Aber worum geht es eigentlich? Baumstrünke vor in allen Pastellfarben oszillierenden Sonnenuntergängen als bitteres Finale der Kapitulation vor der Umweltzerstörung? Schließlich entstand die Bildreihe während ihres Aufenthalts in Los Angeles, wo der berühmte Sunset sich verstärkt, je höher die Smogwerte sind. Die Baumstrünke, deren Rinden abblättern und alsbald an Haut und Häutung erinnern, nicht als phallisches Symbol zu sehen, ist unmöglich. Also geht es gleichzeitig um die lakonische Feststellung eines ruinösen Abgesangs von Männlichkeit, zumal sich da und dort auch noch riesenhafte Tränenformen auf der Bildfläche verlieren?

Wie in den anderen Bildreihen zuvor legt Baer keine klare Erzählung zwischen den Motiven aus, allerdings schwadronieren Tropen wie Körper/Körperlichkeit, Anziehung, Sehnsucht, Triebhaftes unterschwellig immer mit. Die Narrative oder besser Performanz entwickelt sich durch die in einem Bild sich jeweils widersprechenden Malpartien, in denen sich unterschiedliche Formen malerischer Gesten und unterschiedliche Grade des Illusionismus abwechseln, sich selbst aufführen und damit auch den Nebel der sie umgebenden kulturhistorischen und kunsthistorischen Prägungen aufwirbeln.

Preisträgerin 2021 ist die Malerin Monika Baer. Sie studierte von 1985 bis 1992 an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 2010 ist sie Professorin im MFA-Programm am Bard College/USA, 2018/19 war sie Regents‘ Lecturer an der UCLA in Los Angeles, wo sie bis 2020 im Painting Department unterrichtete. Im Jahr 2020 hat sie ihre Professur an der Städelschule Frankfurt wieder aufgenommen, im selben Jahr wurde ihr der Hannah-Höch-Preis verliehen, 2019 der Preis der Dieter Krieg Stiftung. Zu den Ausstellungen zählen u.a. Kunsthalle Bern (2021), Kunstmuseum Bonn (2019), Kestner Gesellschaft / Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2016), Williams College, Chicago (2014), The Art Institute Chicago (2013) und 2007 documenta 12.“

Aktuell sind die Ausstellungen„Monika Baer“, Kunsthalle Bern, Schweiz 2021 und „loose change“, Greene Naftali Gallery, New York, USA 2021 zu sehen.

Loot, 2007, watercolour, oil on canvas,
70 x 50 cm

Ohne Titel, 2008, waterclour, acrylic,
oil on canvas, seam, 103 x 81 cm

L, 2014, oil on canvas
250 x 220 x 4.5 cm

CMYK, 2016, Acryl auf Leinwand,
Holz, Flasche, 40 x 30 cm

Monika Baer

Monika Baer