Mai 2009
Vermittler als Akrobaten
Karlheinz Schmid über die Branche in 20 Jahren

Wenn mein verstorbener Freund Hans Platschek, der Maler und Schriftsteller, jemanden nicht leiden konnte, dann zischte er, flugs und kaum hörbar, ein galliges „Der hat Mundgeruch“. 

Oder, Stufe zwei, letztlich perfider, Platschek raunte, mit dem ihm eigenen Timbre, dieser oder jener Kollege, Galerist oder Museumsdirektor mache „in seiner Freizeit Batik“. Gemessen an der Häufigkeit der lustvoll eingesetzten Diffamie, schien mir, hätte der halbe Kunstbetrieb textilhandwerklich orientiert sein müssen was freilich nicht zutraf. Allerdings: Der väterliche Freund, in seinen letzten Jahrzehnten in Hamburg zu Hause, machte mir mit solchen, teils schrulligen Aussagen freilich schon in jungen Jahren klar, dass der Kunstbetrieb ein Betrieb ist, in dem mit harten Bandagen und nicht selten mit allerlei unlauteren Mitteln gekämpft wird.
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Und noch etwas erscheint plausibel: In 20 Jahren, so behaupte ich, wird es nach wie vor, egal, wie sich die Kunstselbst entwcikelt, einen Kunstbetrieb geben, der „das richtige Verhältnis finden muss“, wie Platschek einst sagte, „zwischen dem Ohrabschneider und dem Halsabschneider“.

Kunstzeitung, Regensburg, Nr. 153, Mai 2009, Seite 36