Selbstbildnis
von Hans Platschek

Die Selbstporträts kommen daher, daß man selber das billigste und geduldigste Modell ist. Ich hatte eine böse Geschichte, ich war drei Monate im Krankenhaus und hinterher habe ich diese Bilder gemalt: mit Krücke und mit Narbe. Nun hat man mir immer gesagt, der arme Mensch, der war krank und ist alt. Und da habe ich gesagt, als nächstes male ich Selbstbildnis mit abgeschnittenem Ohr. Märtyrer haben beim Bürgertum bessere Chancen als Kurzwarenhändler.

Auf dem Koppelschloß der SS stand während des Krieges „Unsere Ehre heißt Treue“. Da ich etwas gegen Krieg und Koppelschlösser habe, suche ich meine Ehre in der Untreue. Kunst soll laut Grundgesetz frei sein. Wenn man das wörtlich versteht, muß man jede Freiheit in Beschlag nehmen und alles probieren, wonach einem der Sinn steht. In den Sechzigern schrieb ich einmal, heute könne man keine Stilleben mehr malen. Seit Jahr und Tag male ich sogenannte Stilleben. Wie sagte Brecht? Wer auf mich baut, hat auf Sand gebaut.

Hans Platschek, 1999
in:  Hans Platschek, Figuren und Figurationen
      Über Malerei und mich selbst.
      Edition Nautilus, Hamburg 1999