Biographie

Hans Platschek wurde 12. März 1923 als der ältere von zwei Brüdern in Berlin geboren und starb am 9. Februar 2000 in Hamburg.


1939 musste die Familie Deutschland verlassen, da die Mutter Jüdin war, und emigrierte nach Lateinamerika. In Montevideo, Uruguay, fanden sie eine neue Heimat. Dort begann Hans Platschek mit dem Studium an der Kunsthochschule, veröffentlichte schon früh politische Karikaturen in einer Tageszeitung und war Mitglied im Verband der Kunststudenten. Bereits 1948 hatte er die erste Einzelausstellung in Montevideo, später stellte er in Buenos Aires und Santiago de Chile aus und nahm an der 1. Biennale Sao Paulo und der 1.Mostra Internationale degli Art-Clubs in Turin teil.

Nach der Rückkehr nach Deutschland, 1953, unternahm er ausgedehnte Reisen in Europa, in Paris lernte er Max Ernst, Raoul Hausmann, Tristan Tzara, Hans Arp und Asger Jorn kennen. Von 1955 bis 1963 lebte er in München, wo er 1957 die erste von zahlreichen Ausstellungen in der Galerie van der Loo hatte. München war in der Zeit auch Schauplatz einer neuen Kunstgruppe, S.P.U.R., deren Mitglieder Platschek mit dem Informel und den Arbeiten der Gruppe Cobra bekannt machte, auch mit Asger Jorn selbst. 1958 nahm Platschek an der XXIX. Biennale in Venedig teil, im Jahr darauf an der II.documenta in Kassel und an der 5. Biennale in Sao Paulo. 1960 erhielt er den Förderpreis der Stadt München und hatte Ausstellungen in Turin, Tokio und Rio de Janeiro, 1962 in Rom, Florenz und Verona. Er war mit Emilio Vedova, Guttuso, Constant und Pierre Alechinsky befreundet. 1963 übernahm er eine Gastdozentur an der Hochschule für Gestaltung in Ulm und siedelte nach Rom über, im Jahr darauf ging er nach London, um über Tanger, Paris und Amsterdam endlich in Hamburg sesshaft zu werden, wo er bis zu seinem Tode im Jahr 2000 lebte.

Von 1967 bis 1976 war Hans Platschek mit der Schriftstellerin Gisela Elsner verheiratet.

Nach der Teilnahme an der Biennale Rostock und Einzelausstellungen in Kopenhagen, Tondern und Aars (1979 – 1981) reiste er nach Madrid und arbeitete dort mit Künstlern wie Constant, Antonio Saura, Tápies, Motherwell, Rivers und Kurt Hoffmann Sonderborg (gest. 2008) an einer Plakatserie „Künstler für den Frieden“.

Mit Marcus Lüpertz, Konrad Klapheck und Werner Schmalenbach veranstaltete er Gespräche am Runden Tisch in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf und traf mit Jean Baudrillard, Helmut Heissenbüttel und György Ligeti zusammen. 1988  wurde er Ehrengast der Villa Massimo in Rom, im Jahr darauf erhielt er die Medaille  für Kunst und Wissenschaft der Freien und Hansestadt Hamburg.

In Berlin, Rostock, Kiel und Wien zeigte er seine Werke in Einzelausstellungen und kehrte 1993 zu einem längeren Aufenthalt nach Montevideo zurück. In Wien lernte er den Maler Georg Eisler kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. 

1997/98 hatte er eine Gastprofessur an der Gesamtschule Kassel inne, die Kunsthalle Emden ehrte ihn mit einer Retrospektive.

Am 9. Februar 2000 starb Hans Platschek in Hamburg.

Hans Platschek war nicht nur bildender Künstler, sondern auch Publizist und Kritiker, ein „Maler, der schreibt“, wie es 2003 der Kunsthistoriker Werner Hofmann in seiner Würdigung aus Anlass einer Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass im Hamburger Ernst-Barlach-Haus formulierte. Als Kritiker zeigte er einen „erfrischenden Mut zur Polemik“ (Lothar Romain).  In seinem mittlerweile klassischen Werk „Die Dummheit in der Malerei“ (zuerst 1984,  zahlreiche Nachauflagen, zuletzt eine erweiterte Neuausgabe 1998) wird das besonders deutlich: Platschek zögert nicht, auch Namen zu nennen, die zu den „Säulenheiligen des Kunstbetriebs“ gehören. Nolde und Kandinsky sind für ihn auf unterschiedliche Weise überschätzt und Beuys war für ihn ein "Metaphysiker im Supermarkt". Platscheks Aufsätze zur Kunst stellen, so meinte es Lothar Romain 1998, "grundsätzliche Fragen" und deshalb seien sie "mehr als Zeitzeugnisse, es sind Essays nicht über, sondern für die Kunst." 

 

Preise

  •  1959: Preis „Ardea“,
     verliehen auf der 5. Biennale in São Paulo
  •  1960: Förderpreis im Bereich Bildende Kunst
     der Landeshauptstadt München
  •  Ehrensold der freien und Hansestadt Hamburg

 

Hans Platschek Stiftung

Gründung der Hans Platschek Stiftung 2005 in Hamburg.
Jährliche Verleihung des "Hans Platschek Preis für Kunst und Schrift" im Rahmen der "art Karlsruhe".